Schweizer Armee plant Satelliten und sichere Handys – ein Blick hinter die Kulissen
Im Herbst 2026 kündigte das Bundesamt für Verteidigung, Zivilschutz und Sport (DDPS) einen ehrgeizigen Plan an: 10 bis 15 neue Satelliten sollen in den kommenden Jahren ins All gebracht werden. Gleichzeitig soll das Militär ein eigenes Netzwerk aus sicheren Mobiltelefonen entwickeln, damit Soldaten unabhängig von fremden Netzen kommunizieren können.
Ein neues Zeitalter der Kommunikation
Die Idee geht weit über reine GPS‑Korrekturen hinaus. Durch die Nutzung eines eigenen Satellitenstapels wollen die Schweizer Streitkräfte ihre Positionierungsdaten selbst generieren und damit die Abhängigkeit von US-amerikanischen Space Command-Daten reduzieren.
- Wisekey Holding – Der erste Testsatellit, gestartet im Januar 2026 mit einer Falcon‑9 von SpaceX, gehört dem Schweizer Cybersecurity-Unternehmen Wisekey. Das Gerät wird für die Armee vermietet und dient als Plattform für Post-Quantum-Kryptographie.
- Sealsq – Die in der Schweiz ansässige Firma liefert die speziellen Post-Quantum-Chips, die im Satelliten eingesetzt werden.
- Fossa Systems – Durch eine Minderheitsbeteiligung von Wisekey an dem spanischen Nano‑Satellitenhersteller können künftig auch Beobachtungsdaten zu kritischen Infrastrukturen bezogen werden.
Diese Technologie ist ein entscheidender Schritt zur Unabhängigkeit in der geopositionierung. Sobald die Daten aus den eigenen Satelliten fließen, kann die Armee einen unabhängigen Lagebildschirm erstellen und gezielte Gegenmaßnahmen planen.
Die Rolle von AGNES im neuen System
Parallel dazu nutzt das Militär bereits das Automated GNSS Network for Switzerland (AGNES). Dieses Netzwerk aus 31 Differential GPS-Antennen liefert Korrekturdaten, die Abweichungen auf wenige Millimeter reduzieren.
Die Herausforderung: Die Antennenstandorte sind öffentlich bekannt und damit potenziell gefährdet. Daher sollen künftig weitere Sensoren in den neuen Satelliten eingebaut werden, um Daten aus dem Weltraum zu ergänzen.
Sicherheitsnetzwerk für mobile Kommunikation – das MSK
Während die Satelliten noch im Aufbau sind, steht der nächste Schritt auf der Agenda: Das Mobile Security Communication System (MSK). Dieses soll 2030 eingeführt und bis 2035 in ganz Schweiz einsatzbereit sein. Der aktuelle Polycom-Rundfunk soll damit abgelöst werden.
| Komponente | Ziel |
|---|---|
| Unabhängige Stromversorgung | Krisensicherheit gewährleisten |
| Erweiterung bestehender Netze | Nahtlose Datenübertragung |
| Integration mit SDVN+ | Komplette Sicherheitsarchitektur |
Der Gesamtbudgetrahmen für das MSK beläuft sich auf rund drei Milliarden Euro bis 2046. Etwa 30 % werden vom Bund getragen, die restlichen 70 % von den Kantonen.
Die Entwicklung des Guardian‑Smartphones
Parallel zum MSK arbeitet RUAG an der Guardian – Secure Mobile Platform. Das Konzept sieht ein Samsung Galaxy S Ultra vor, das auf 5G NTN (Non‑Terrestrial Networks) abgestimmt ist. Auf dem Gerät läuft die eigens entwickelte Guardian Secure OS.
- Datenschutz: Alle unnötigen Google‑Apps und Tracking-Mechanismen werden entfernt, um MAID/ADINT-Angriffe zu verhindern.
- Kommunikationswerkzeuge: Threema dient als Standard-Messenger. Zusätzlich gibt es einen sicheren Browser und eine verschlüsselte Mail-App.
- App Store: Ein dedizierter Guardian App Store stellt ausschließlich geprüfte, sichere Anwendungen bereit.
Die Plattform zielt darauf ab, die Klassifikationsebene „Internal / Confidential“ gemäß der Schweizer Datenschutzbestimmungen zu erreichen. Nicht nur das Militär, sondern auch Rettungsdienste, Polizei und andere Behörden sollen davon profitieren.
Zukünftige Satellitenkommunikation für Handys
RUAG erwägt sogar die Möglichkeit, dass die Guardian-Handys direkt mit den neuen Satelliten kommunizieren. Damit könnten Soldaten in abgelegenen Gebieten ohne terrestrische Infrastruktur erreichbar bleiben.
Derzeit ist jedoch noch unklar, welche Hardware‑Anpassungen nötig sind. RUAG verweist auf die Verzögerung des MSK-Projekts durch das Bundesamt für Zivilschutz (FOCP). Sobald die rechtlichen Grundlagen geklärt sind, wird der nächste Schritt folgen.
Wie Sie Ihre Handys finden – ein Blick nach außen
Die genannten Entwicklungen zeigen, wie stark die Schweiz in den kommenden Jahren in die eigene Verteidigungs- und Kommunikationsinfrastruktur investieren wird. Von Satelliten bis hin zu sicheren Mobiltelefonen soll ein ganzheitliches System entstehen, das nicht nur militärische Einsatzkräfte, sondern auch zivile Notfallorganisationen stärkt.
Weitere Informationen zum Satellitenprojekt finden Sie auf der offiziellen Seite des Militär Aktuell. Und für aktuelle Updates zur MSK und Guardian-Plattform lohnt sich ein Blick bei RUAG: RUAG AG.



